Aus der Geschichte der Schwanheimer Feuerwehr

 

Leider sind über die Wirren der vielen Jahrzehnte, in denen unser Volk und Land allein 3 schwere Kriege erleben musste, nur noch recht spärliche und vergilbte "Chronikalische Aufzeichnungen" erhalten geblieben, die bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts reichen. Die aus den nachfolgenden Jahren vorliegenden Aufzeichnungen sind recht spärlich und mussten deshalb durch ältere Mitglieder der Wehr durch Schilderungen ergänzt worden, die sich durch überlieferung erhalten haben. Voller Heimat, Liebe und Begeisterung erzählt heute noch mancher alter Feuerwehrmann, wie gerade die Veranstaltungen der Wehr, vor allem ihre regelmäßigen übungen mit handgezogenen und -betriebenen Spritzen, altertümlichen Feuer- und Einreißhacken sowie Wassereimern aus Segeltuch usw. stets ein Erlebnis für jung und alt waren, das jedes Mal mit fröhlichem "Umtrunk" in einer der alten Schwanheimer Apfelweinwirtschaften endete. Aber auch in Ernstfällen stellte sich die Wehr, wie die Rückschau nachweist, oft und erfolgreich ihren Mann.

Anlass zur Gründung der Wehr gab ein Brand in der Hofraithe des Jakob Schlaud und Anton Schneider auf der Vordergasse (heute Alt- Schwanheim), obwohl sich schon längere Zeit vorher in Schwanheim das Bedürfnis nach einer organisierten und disziplinierten Feuerwehr fühlbar gemacht hatte. Im Jahre 1869 beschloss deshalb der Gemeinderat die Reorganisation des Feuerlöschwesens bzw. die Gründung einer uniformierten Feuerwehr. Infolge diesen Beschlusses erarbeitete derselbe unter Hinziehung von sachverständigen Männern die Statuen für eine solche Korporation. Die Statuen erhielten unter dem 4. August 1869 die ortsvorstandliche und unter dem 3. Dezember 1869 die amtliche Genehmigung der Behörde. Doch erst im Jahre 1872 kamen diese Beschlüsse zur Ausführung und wurde die Feuerwehr am 1. August 1872 uniformiert.

Dieselbe bildetet eine Kompanie unter der Leitung von Johann August Kunz als Hauptmann, welchem Johann Gastell III. als Adjutant beigegeben wurde. Es wurden drei Abteilungen gebildet und zwar, die Steigerabteilung unter der Führung von Schreinermeister Johann Josef Müller, die 1. Spritzenabteilung unter Ph. Leidinger und die 2. Spritzenabteilung unter Anton Anton Kohaut. Der Mannschaftsbestand betrug damals "einschließlich Führer und Signal-Hornisten" 48 Mann. Es sind lauter alte Schwanheimer Namen, die da aufgezählt sind und mancher dieser Familiennamen ist heute noch in den Reihen der Wehr vertreten. Erste Hornisten waren Peter Pfeffer und Joh. Röhrig.

Am 18. Juli 1873 wurde die 2. Abteilung zu einem Brand in der Fabrik von Meister, Lucius und Brüning alarmiert und war dort von 11 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags eingesetzt. Als Anerkennung ihrer Leistungen bedachte die Direktion der Fabrik die tätig gewesene Mannschaft mit einer Gratifikation von TH. 40,-, die zur Verteilung kamen.

Am 20. September 1873 großer Brand in den Hofraithen von S. Schneider, Lehn und Fay dahier. Wie die Chronik wörtlich berichtet, war der Brand um 1.30 Uhr nachmittags ausgebrochen, wobei 3 Scheunen und einige Stallungen das Opfer des entfesselten Elements wurden. Nur durch die anstrengende Tätigkeit gelang es der Wehr, ein weiteres Umsichgreifen des Feuers zu verhüten und erst am 28. September rückte dieselbe wieder ein. Außer einigen kleinen Wunden ohne Bedeutung waren keine Verletzen zu beklagen.

Stets war die Wehr auf Schlagfertigkeit und Einsatzbereitschaft bedacht. Nicht nur bei vielen Waldbränden stellte sie immer wieder ihren Mann, auch bei den Bränden in den benachbarten Fabriken von Griesheim und Höchst und zu Schadenfeuern in Kelsterbach, Sindlingen usw. war sie ausgerückt und erhielt überall Anerkennung und Dank. Stolz wird berichtet, dass sie nach einem Waldbrand im Frankfurter Oberwald durch die Frankfurter Försterei "auf der unteren Schweinstiege" mit 2 Fass Bier und Essen bewirtet wurden. "Erst am späten Abend kamen wir nach Hause in aller Ordnung."

Das aber auch Geselligkeit und Kameradschaft innerhalb der Wehr stets gepflegt wurde, zeigt folgende Eintragung: Am 6. Januar 1878 hielt die Freiwillige Feuerwehr einen Ball bei Wilhelm Henninger. Derselbe verlief in heiterer Stimmung: Hier wurde ein Christbaum verziert mit Konfekt und schönem Backwerk, verfertigt von Mitglied Anton Brum. Nach 12 Uhr wurden die Sachen vom Christbaum durch Georg Baumgärtner an die Meistbietenden verkauft. Die Musik besorgten die Gebrüder Raab um 50,- DM, welche Summe durch Eintrittsgelder und den Erlös des Christbaums gedeckt wurden. Bei dem deutschen Turnfest 1880 beteiligte sich die Wehr auf Einladung der Frankfurter Wehr mit 30 Mann, samstags am Fackelzug, sonntags am Festzug. Jeder Teilnehmer erhielt außer freier Dampfschifffahrt eine Mark Vergütung aus der Vereinskasse.

1883 wurde die Gemeinde von einem großen Brand heimgesucht, dem in der Vordergasse und in der Hintergasse je zwei Scheunen und einige Stallungen zum Opfer fielen. Bei diesem Brand waren die Wehren aus Niederrad, Griesheim, Rödelheim und Kelsterbach ihren Schwanheimer Kameraden zu Hilfe geeilt, um durch ihren Einsatz dazu beizutragen, dass noch größere Schäden verhindert wurden. Im gleichen Jahre wurde durch den Gemeinderat eine Brandmeisterstelle errichtet und dem bisherigen Kommandanten J.A. Kunz übertragen. Dieser trat im Jahre 1883 zurück; sein Nachfolger wurde Fritz Gastell, Kommandant wurde Leopold Leimer, dessen Stellvertreter Joh. Jos. Heuser. Am 8. Juni 1894 feierte die Wehr ihr 25 jähriges Bestehen mit Kommers und Standartenweihen im Lokal Leopold Gastell sowie einem Festzug und anschließendem Waldfest "unter den alten Eichen".

1900 verstarb Brandmeister Fritz Gastell, zu seinem Nachfolger wurde der Bäckermeister Josef Henrich ernannt. 1910 verlor die Wehr durch Tod ihren Kommandanten Leopold Leimer, sein Nachfolger wurde der Landwirt Heinrich Schneider, der 1929 zum Ehren-Kommandanten ernannt wurde.; Nachfolger wurde der Schreinermeister Adam Schneider, dem im Jahre 1935 der Elektromeister Friedrich Gräser folgte. Ihm oblag die schwere Aufgabe, die Wehr in den unsagbar schweren Kriegsjahren 1939/45 bei unzähligen gefahrvollen Einsätzen infolge der Bombenschäden zu führen. Sein Nachfolger wurde im Jahre 1946 der später zum Ehrenbrandmeister ernannte Josef Schneider; dessen Nachfolger übernahm im Jahre 1964 der Ortsbrandmeister Franz Henrich.

Gleich nach dem Ende des 2. Weltkrieges im Jahre 1945 begann der Wiederaufbau der städt. Berufs- und der Freiwilligen Feuerwehr in Frankfurt am Main., wobei auch die Vorortwehren neuzeitlich motorisiert und ausgebaut wurden. Die Schwanheimer Wehr entwickelte sich schnell wieder zu einer der schnellsten und schlagkräftigsten Wehren im Stadtkreis Frankfurt; sie wurde deshalb auch wiederholt bei Inspektionen und übungen mit dem Prädikat "sehr gut" ausgezeichnet.

In den Tagen vom 02.07 bis 04.07.1949 beging man die Feier zum 80 jährigen Bestehen der Wehr unter der Schirmherrschaft des damaligen Oberbürgermeisters unserer Stadt, Herr Dr. Walter Kolb. Es war ein Volksfest im wahrsten Sinne des Wortes, zu dessen Verwirklichung alle Vereine und Korporationen, die Schwanheimer Geschäftswelt und die gesamte Einwohnerschaft mit allen ihren Kräften und Möglichkeiten beitrugen. Der prächtige Festzug, an dem sich auch zahlreiche befreundete Wehren beteiligten, ist heute noch manch einem in schönster Erinnerung. Als Festpräsident fungierte mit dem ihm eigenen Geschick der am 19.05.1961 im 84. Lebensjahr verstorbene Stadtrat a. D. August Gräser, Dezernent für das Feuerlöschwesen in Frankfurt am Main und Ehrenmitglied der Schwanheimer Feuerwehr. Seine Verdienste, die er sich um das Feuerlöschwesen im allgemeinen und um die Belangen der Freiwilligen Feuerwehr seines Geburts- und Heimatortes Schwanheim im besonderen erwarb, sind stadtbekannt und unbestritten. Ihm heute diese Zeilen zu widmen, war uns ein besonderes Bedürfnis.

Am 04.07.1954 stand auf dem Grundstück des ehem. Landwirts Jakob Ostheimer, Am Kirchholz 1, eine Scheune in hellen Flammen. Dem schnellen Eingreifen der Wehr ist es zu danken, dass größerer Schaden an benachbarten Gebäuden verhindert wurde.

Am 21.03.1956 wurde durch ein Großbrand im Frankfurter Stadtwald, an der Bundesbahnstation Schwanheim (jetziger Bahnübergang), ca. 50 Hektar Jungwald vernichtet. An den umfangreichen Löscharbeiten waren 12 Löschfahrzeuge, darunter auch diejenigen der Schwanheimer Wehr, beteiligt. Abermals konnte, wie schon so oft, durch schnelles Eingreifen der Wehr und tatkräftigen Einsatz der Wehrmänner noch größerer Schaden verhindert werden.

Auch bei einem Großbrand in der Schwanheimer Lederwerken am 19.01.1957 hat die Wehr ihre schnelle Einsatzbereitschaft und Tatkraft unter Beweis gestellt.

Im Jahre 1959 beging die Wehr in einer internen Feier ihr 90 jähriges Jubiläum, verbunden mit der Weihe einer neuen Fahne, einer Stiftung der Frauen der Feuerwehrmänner. Im Zuge der Moderniesierung erhielt die Wehr im Jahre 1965 von der Branddirektion Frankfurt am Main ein neues Feuerlöschfahrzeug vom Typ TLF 16, dem im Jahre 1966 ein weiteres vom Typ TLF 8 folgte.

Das Jahr 1966 sah die Wehr in einem Katastropheneinsatz aus Anlass eines schweren Unwetters, das über das Rhein-Main-Gebiet niedergegangen war und auch in Frankfurt viele Wasserschäden verursacht hatte.

Am 08.04.1967 wurde das Fahrzeug TLF 8 gegen ein neues Fahrzeug vom Typ LF 16 TS ausgetauscht, ein erneuter Beweis dafür, dass unsere städtischen Behörden trotz angespannter Finanzlage bestrebt sind, die Ausrüstung der Vorortwehren laufend zu verbessern und damit ihre Einsatzmöglichkeiten ständig zu erweitern. Dafür soll ihnen an dieser Stelle der Dank der Wehr zum Ausdruck gebracht werden.

Der rechtzeitigen Heranziehung des Nachwuchses für die Wehr galt die am 01.02.1968 erfolgte Gründung einer Jugendgruppe, zu der sich bereits eine Anzahl Schüler eingefunden hatte und mit Begeisterung bei der Sache war.

Diese geschichtlichen Aufzeichnungen, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, sollen dem geneigten Leser den Eindruck vermitteln, dass die Wehr aus dem Leben unserer Stadtteils nicht mehr hin wegzudenken ist.


Fortsetzung folgt...

 
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